Nachruf auf Manfred Strohmaier
Für die Kolleginnen und Kollegen war er einfach Stromi. Und für die Menschen auf der Straße war er jemand, dem sie vertraut haben.
Wer mit ihm unterwegs war, erinnert sich sofort an sein Erscheinungsbild: schwarzer Hut, oft eine zerschlissene Jacke, Zigarette in der Hand. Er hat selbst geraucht und damit oft den ersten Kontakt zu seinen Patienten auf der Straße hergestellt. Dann hat er erst mal eine Kippe geteilt und ist ins Quatschen gekommen.
Ein "total cooler Typ" war er für die Kolleg:innen. Ein Freigeist, der trotzdem mit beiden Beinen im Leben stand: menschlich, großzügig, nah an den Leuten.
Jeden zweiten Donnerstag hat über viele Jahre im Arztmobil als ehrenamtlicher Arzt Platz genommen. Dann gings zum Hauptbahnhof in die Friedrichstraße zum Alexanderplatz - je nachdem, wo gerade etwas los war. Manchmal fuhr das Team auch an ungewöhnliche Orte - Manfred Strohmaier hat nach seinen Patienten gesucht. Dabei ist er dann auch mal durch ein Loch in der Mauer an der Spree geklettert oder am Wannsee durchs Gebüsch. Mit Stromi war es immer ein bisschen abenteuerlich, sagen die, die mit ihm gefahren sind.
Dabei war er nicht nur Arzt, er war auch ein Brückenbauer. Er fiel nie mit der Tür ins Haus. Erst gabs ein Schwätzchen bei einer Tasse Tee, plötzlich kamen die Geschichten, die Probleme. Plötzlich hatte doch einer eine Wunde am Bein und hat sie gezeigt. Manfred Strohmaier hatte keine Berührungsängste. Er nahm jeden Menschen so, wie er war. Unvoreingenommen, unkonventionell. Geduldig hörte er zu, ließ sich Zeit. Er war ein Mensch fürs Herz und mit Herz.
Viele Gespräche mit ihm drehten sich auch um Kunst. Stromi war nicht nur Arzt, sondern auch Bildhauer. Er arbeitete mit Holz, schuf große Skulpturen. Er sprach gerne über seine Arbeit, über Kunst und über seine Töchter. Über Theateraufführungen, über das Leben. Als Jugendlicher war er getrampt, wollte mit dem Schiff um die Welt fahren. Diese Neugier, diese Offenheit hat er nie verloren.
Kurz vor der Corona‑Pandemie zog er auf einen alten Hof am Kummerower See. Der Weg zurück nach Berlin wurde zu weit, sein Engagement beim Arztmobil endete. Die Entfernung ließ es nicht mehr zu. Umso größer war die Erschütterung, als die Nachricht von seinem Tod kam.
Caritas-Direktorin Prof. Dr. Ulrike Kostka: "Manfred Strohmaier war einer dieser Menschen, die man nicht vergisst, wenn man ihnen einmal begegnet ist. Er hat wunderbare Arbeit geleistet. Mit seiner unkonventionellen Art, seiner großen Menschlichkeit und seiner Nähe zu den Menschen hat er das Caritas‑Arztmobil über viele Jahre geprägt und Spuren hinterlassen, die bleiben."
Manfred Strohmaier war zehn Jahre lang eine feste Größe im Caritas‑Arztmobil. Für die Kolleginnen und Kollegen bleibt er immer in Erinnerung. Er fehlt. Und er bleibt.