Am 1. Juli 2026 berät die Regierungskoalition über die Zukunft der Rentenpolitik. Aus Sicht des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin muss dabei die Bekämpfung von verdeckter Altersarmut einen zentralen Platz einnehmen. Staatliche Leistungen wie die Grundsicherung müssen für ältere Menschen leichter zugänglich werden - zum einen durch den Ausbau an Beratungsangeboten, zum anderen durch den Abbau bürokratischer Hürden.
"Wir erleben in der Allgemeinen Sozialen Beratung, dass unsere Klient:innen immer älter werden und dass bei vielen die Rente nicht zum Leben reicht. Gleichzeitig empfinden viele ältere Menschen Scham, staatliche Leistungen überhaupt in Anspruch zu nehmen. Sie leben Jahre unter dem Existenzminimum mit ihrer zu geringen Rente und tauchen in den Beratungsstellen meist erst dann auf, wenn es brennt, also wenn zum Beispiel der Strom abgestellt werden soll oder schon wurde. Oftmals leisten wir auch dann noch Überzeugungsarbeit, einen Antrag zu stellen", erklärt Petra Siegberg, langjährige Caritas-Beraterin.
Unkenntnis, Scham und Überforderung mit bürokratischen Hürden führen zu einer hohen verdeckten Altersarmut, also einer hohen Dunkelziffer an älteren Menschen, die nicht von ihrer Rente leben können. "Deshalb gehen die Vorschläge der Alterssicherungskommission in die richtige Richtung, verdeckte Armut im Alter abzubauen - etwa durch die Vereinfachung der Beantragung von Grundsicherung und mehr Beratung vor Ort und digital", stellt Caritasdirektorin Ulrike Kostka fest. "Die Rentenreform muss sicherstellen, dass sich die Arbeitsleistung über viele Berufsjahre hinweg im Alter tatsächlich auszahlt, das ist eine Frage der Gerechtigkeit", so Kostka.
Dazu gehört auch, einen Freibetrag für Renten in der Grundsicherung einzuführen. So hätten Rentner:innen mit niedrigen Renten spürbar mehr Geld zur Verfügung. Denn aktuell profitieren viele Menschen mit kleinen Renten, die auf Grundsicherung angewiesen sind, nicht davon, dass sie während ihres Berufslebens Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. "Hier sollte ein angemessener Freibetrag geschaffen werden. Das stärkt auch das Vertrauen in die Rente. Deshalb unterstützen wir mit unserer Erfahrung aus der Beratungspraxis diese Forderung der Alterssicherungskommission."
Die Forderungen des Caritasverbandes auf einen Blick:
- Leichterer Zugang zur Grundsicherung
- Verständlichere Amtssprache
- Ausbau der Allgemeinen Sozialen Beratung
- Mehr persönliche Unterstützung und aufsuchende Angebote für ältere Menschen
- Einen Freibetrag für Renten in der Grundsicherung