BERLIN - Immer mehr Menschen in Pankow suchen die Hilfe der
einzigen Schuldnerberatungsstelle auf. Dennoch will der Bezirk die Zuwendung im
nächsten Jahr um 22 Prozent kürzen, obwohl das Land Berlin den Bezirken Mittel
für Schuldner- und Insolvenzberatung in gleicher Höhe wie in diesem Jahr zur
Verfügung stellt. Wenn der Bezirk Pankow die Zuwendung an den Träger der
Caritas-Schuldner- und Insolvenzberatung tatsächlich kürzt, muss der
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V. drei Vollzeitstellen streichen. Seit
2000 unterstützt die Caritas-Schuldner- und Insolvenzberatung in Pankow
Menschen, die ohne Hilfe nicht mehr aus ihrer ausweglosen Finanzsituation
herausfinden. 2007 wurden 8446 Beratungskontakte verzeichnet. 2008 waren es
8947. In diesem Jahr sind es bereits 8500 Beratungskontakte. "Dreizehn
fachkundige Berater haben alle Hände voll zu tun um, Pankower Bürger aus der
Schuldenfalle zu helfen", sagt Wilfried Jahn, der Leiter der
Beratungsstelle. Wenn die Kürzung kommt müssen die Pankower künftig lange
warten, bis sie einen Beratungstermin bekommen. Die Wartezeit beim schweren Weg
in das Verbraucherinsolvenzverfahren beträgt bisher schon fünf Monate. Bislang
konnten wir Ratsuchende in besonders ausweglosen Situationen zumindest einen
ersten Termin kurzfristig anbieten, erklärt Jahn. Obwohl die Überschuldung der
privaten Haushalte zunimmt und obwohl der Bezirk wie auch das Land seit Jahren
mit der Arbeit der Caritas zufrieden ist, soll es nun zu dem gravierenden
Einschnitt mit erheblichen Auswirkungen auf die hilfsbedürftigen Bürger Pankows
kommen, beklagt Ekkehardt Bösel, Regionaleiter der Caritas, die momentane Lage.
Wir haben mit der Sozialstadträtin und dem Sozialamtsleiter Pankows natürlich
das das Gespräch gesucht. Bisher leider ohne Erfolg sagt Bösel. Seit 2005 hat
das Land Berlin seinen Zuschuss für die Schuldner- und Insolvenzberatung in den
Bezirken um 1.5 Millionen Euro gesteigert. Aus gutem Grund. In der
Schuldnerberatung in Pankow kommt das Geld leider nicht an, erklärt Ekkehardt
Bösel. "Wenn es in Pankow kein Umdenken gibt, werden noch mehr Bürger
unseriösen Schuldenregulierern oder Kreditvermittlern auf den Leim gehen. Die
so wichtige Präventionsarbeit in Schulen und Ausbildungseinrichtungen müssen
wir dann ganz einstellen", befürchtet Wilfried Jahn.
Weitere Informationen: Wilfried Jahn - Telefon: (030) 666 33 833 od. (0173) 856
20 03
w.jahn@caritas-berlin.de