Von fiesen Wunden und allerelei Tierchen

Ein kurzer Film über die Arbeit in der Ambulanz im Bahnhof Zoo

Alle Projekte

Berlin

Ambulanz hilft Wohnungslosen am Bahnhof Zoo

  • Projekt

Das Leben auf der Straße und in Armut macht krank. Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung gehen oft nicht zu niedergelassenen Ärzten, weil sie sich nicht trauen. Für sie ist unsere Arbeit in der medizinischen Ambulanz am Bahnhof Zoo lebenswichtig. Und die Zahl der Obdachlosen wächst.

"Typische Krankheiten sind bei uns chronische Entzündungen, Gicht und Rheuma, auch Hautkrankheiten sind häufig. Viele haben wunde Füße, andere leiden unter Parasiten. Das bedeutet: von Läusen befreien und komplett neu einkleiden, auch der Schlafsack muss gewechselt werden", weiß Jeanette Leberecht, seit langen Jahren Krankenschwester in der Ambulanz.  Wer nur ein Paar Schuhe hat, der zieht sie nicht aus, selbst wenn sie nass sind. Genausowenig wie die Kleidung am Körper, Wechselwäsche besitzen die Wohnungslosen meist nicht.

Patientenzahlen wachsen

Freundlich lächelnde Krankenschwester misst Blutdruck bei ObdachlosemWalter Wetzler

Unser Ärzteteam besteht inzwischen aus 16 unterschiedlichen Fachrichtungen, darunter Allgemeinmedizin, Chirurgie, Dermatologie, Neurologie und Hals-Nasen-Ohren. Unsere Ärztinnen und Ärzte arbeiten ehrenamtlich. Manchmal müssen wir die Patienten in eine Klinik einweisen, das bedarf viel Verhandlungsgeschick und eines guten Netzwerkes, denn wir müssen jedes Mal eine Klinik finden, die willens und in der Lage ist, unsere Patienten kostenlos zu behandeln.

Der Zulauf wächst stetig (manche brauchen an kalten Tagen einfach ein warmes Getränk und einen Platz zum Ausruhen, auch das machen wir möglich, wenn Platz im Wartezimmer ist). Nach dem Wochenende und nach Feiertagen ist die Schlange besonders lang, im Jahr 2015 hat sich die Zahl der Behandlungen im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel erhöht: 5435 Mal suchten Kranke medizinische Hilfe.

Die Probleme werden dringender

Unsere Patienten gehen nicht in andere medizinische Einrichtungen, zumindest erst einmal nicht. Entweder weil sie keine Krankenversicherung haben, oder weil sie Angst vor Behörden und Institutionen haben. Viele sind suchtmittelabhängig. In den letzten Jahren wurden die Probleme immer dringender und komplexer", so Frau Leberecht. "Die zentralen Probleme unserer Leute sind psychische Erkrankungen, Verschuldung, Langzeitarbeitslosigkeit, Alkoholmissbrauch, Verwahrlosung und letzlich soziale Isolation."

Schnittstelle zu weiteren Hilfsangeboten

Neben der medizinischen Grundversorgung versuchen wir, weitergehende Hilfsangebote zu vermitteln. Die medizinische Ambulanz ist eine wichtige Schnittstelle zwischen den anderen Versorgungseinrichtungen der Stadt wie z. B. Notübernachtungen, Tagesstätten, Suppenküchen und arbeitet eng mit weiterführenden Fachdiensten zusammen.