Ruhe und Klärung

Halt geben

Krisenhaus

Wie ein Seil um Dein Leben

labyrinth"Ich hatte das Gefühl, ein Seil zog sich immer fester um mich zusammen, bis ich mich förmlich gefesselt und bewegungsunfähig fühlte. Ich bekam nichts mehr selbst geregelt, so erstarrt war ich. Alles ließ ich liegen, die Post, die Mahnungen, ging schließlich nicht mehr zur Arbeit. Ich hatte panische Angst und konnte kaum mehr atmen", sagte uns eine junge Frau, als sie zu uns ins Krisenhaus kam.

So oder so ähnlich geht es den meisten Menschen, die bei uns Aufnahme und Entlastung finden. Ihre Lebenssituationen entwickeln sich oft schleichend bis zur Unerträglichkeit. Sie schaffen es nicht, sich selbst aus der Not zu befreien, wissen nicht wie, stecken einfach fest in ihrer Umgebung und in ihren Gedanken.

Krisen haben unterschiedliche Ursachen, die so individuell sind wie die Menschen, die sie erfahren: Konflikte in der Partnerschaft, im Job, mit den Eltern, akute Geldnot, Ängste, Kindstot, drohender Wohnungsverlust, Wohnungslosigkeit, Depression, die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens, Entlassung aus der Haft, Sucht, Aggression gegen sich selbst oder andere und vieles mehr.

Der Aufenthalt im Krisenhaus umfasst in der Regel etwa 12 -16 Wochen. Am Ende entscheiden Sie, was werden soll. Ihre Selbstständigkeit bleibt unangetastet.

Kosten

Die anfallenden Kosten ergeben sich aus der Betreuung einerseits und der Unterkunft andererseits. Wer z.B. ALG I oder auch EU-Rente erhält, trägt einen Eigenanteil in Höhe von 12,22 EUR pro Tag für das Zimmer, Strom und Heizung. Bei geringem Einkommen wird ggfs. soviel übernommen, dass die Grundsicherung erhalten bleibt.
Bei ALG II übernimmt das Amt die Kosten, so dass Sie Ihren normalen Satz behalten. Die Jobcenter zahlen mindestens 4 Wochen Aufenthalt zusätzlich zur Miete. Zu den Mahlzeiten, die freiwillig sind, gibt jeder Bewohner 1,20 EUR pro Mahlzeit hinzu. Einige Freizeitangebote werden ebenfalls mit Eigenanteil angeboten (z.B. Bowling).

Leistungen

  • Sofortige Aufnahme und Unterkunft
  • Ansprechbarkeit jederzeit zu allen Themen
  • Nachtbereitschaft
  • Bezugsbetreuung, d.h. Sie haben eine/n festen Ansprechpartner/in
  • Kontakte zu anderen, die in ähnlichen Situationen sind
  • Behördenumgang und -begleitung
  • Beratung, Information, Auskunft, ggfs. Übernahme von Aufgaben
  • Klärung des Bedarfs (3-6 Wochen)
  • Begleitung von Menschen mit Traumata
  • Gelegenheit, in einem rauschmittelfreien Bereich zur Ruhe zu kommen
  • Freizeitangebote
  • Klärung der eigenen finanziellen Situation

Eine Schuldnerberatung ist in Grundzügen möglich, bei Bedarf vermitteln wir weiter an Spezialisten, die Ihnen im Detail weiterhelfen können.

Leben im Haus

Das Haus

Das Krisenhaus in der ManetstraßeDas Krisenhaus in der Manetstraße

Auf drei Etagen findet man im einzeln stehenden Haus in der Manetstraße gemütliche Gemeinschaftsräume, 16 einfache, zweckmäßig eingerichtete Einzel- und Doppelzimmer, Küchen und Bäder, Waschmaschine und Trockner. Die Büros sind im Untergeschoss untergebracht. Hier schlägt das Herz des Hauses, hier ist immer etwas los.

Ein Stilleraum mit vielen Büchern und einer gemütlichen Hängematte ist für den Rückzug ideal. Im Wohnzimmer sitzt man entspannt zum Fernsehen zusammen. Angeschlossen ist ein Essbereich und die große Küche, die jeder nutzen darf, der hinterher auch wieder aufräumt. Geraucht wird im Raucherraum. Für Abwechslung sorgt der Clubraum mit Tischtennisplatte, Billard, Dart und Kicker und vielen Spielen. Wer mehr Sport braucht, kann den Heimtrainer nutzen, den Boxsack bearbeiten oder Gewichte stemmen.

Der schöne Garten am Haus ist mit seinen 500 qm vor allem im Sommer ein Magnet zum Kaffee trinken und ausspannen, mit Feuerstelle und Grill.

 

SpielezimmerSpielezimmer

SitzungszimmerSitzungszimmer

WohnzimmerWohnzimmer

Freiwillige Essensangebote

Freiwillige Essensangebote

Gemeinsam essen macht SpaßGemeinsam essen macht Spaß

Freiwillige Essensangebote (mit einer finanziellen Selbstbeteiligung von 1,20 EUR pro Mahlzeit) morgens und abends sowie am Wochenende auch mittags, Gruppentreffen, Einzelgespräche und Freizeitgestaltung geben dem Tag Struktur. Beim Frühstück mit Kaffee und frischen Brötchen kann jeder erst einmal zu sich kommen, bevor der Tag richtig beginnt. Wer mitessen will, trägt sich am Abend zuvor in eine Liste ein. Das gilt genau so für das Abendbrot und am Wochenende für das Mittagessen.

Gespräche und Erledigungen

Gespräche und Erledigungen

Gespräche sind die Grundlage desMiteinandersGespräche sind die Grundlage des

Die Einzelgespräche sind die Grundlage des Miteinanders. Hier wird Kontakt aufgenommen, über die Situation geredet, es werden Probleme und Ziele definiert, bisherige Lösungsmuster angeschaut und neue Lösungen erarbeitet. Außerdem werden all die Dinge, die mit dem Menschen zusammenhängen, erledigt, wie Behördengänge oder Arztbesuche. Sie werden mit Hilfe der Mitarbeiter organisiert und bei Bedarf begleitet. Ein Mitarbeiter ist für jeweils zwei Bewohnerinnen und Bewohner fester Ansprechpartner. Im diensttäglichen Gruppengespräch wird bei Kaffee und Kuchen alles besprochen, was das Miteinander im Haus ausmacht, vom Putzdienst bis zum Brötchenholen. Es geht vor allem um die gemeinsame Freizeitgestaltung, wer macht was, wer ist mit etwas vielleicht unzufrieden, wer hat Ideen und Wünsche.

Freizeit und Rückzug

Freizeit und Rückzug

Im Garten sitzt es sich vor allem imSommer schönIm Garten sitzt es sich vor allem im

Wer sich zurückziehen will, kann in seinem Zimmer bleiben oder den Stilleraum mit vielen Büchern und einer gemütlichen Hängematte nutzen. Im Haus gibt es eine Tischtennisplatte, einen Kickertisch und viele Spiele. Im Sommer sitzt es sich ganz wunderbar im lauschigen Garten, wo - beispielsweise zum alljährlichen Sommerfest - der Grill in Betrieb genommen wird.

Die Bewohner sind eingeladen, selbst Vorschläge zur gemeinsamen Freizeitgestaltung zu machen, zum Beispiel Bowling, wozu jeder seinen eigenen Obolus beiträgt.

Selbst verantwortlich bleiben

Das Besondere am Krisenhaus ist, dass jeder nach der Aufnahme weiterhin für sich selbst verantwortlich bleibt. Das bedeutet, dass jeder Bewohner zum Beispiel sein eigenes Geld hat und auch entscheiden kann, ob er an Mahlzeiten oder Freizeitangeboten teilnimmt - und vor allem, ob er bleibt und sich auf die Hilfe einlassen will oder nicht. Es geht darum, sich an Absprachen zu halten, je nach Fähigkeit aktiv mitzuwirken am Prozess, und sich so gut öffnen, wie es eben geht.

Nachtruhe

Wenn die Nachtbereitschaft um 22 Uhr ins Haus kommt, beginnt die Nachtruhe, und es wird still im Haus. Natürlich wird hier und da weiterhin leise gesprochen, gespielt oder gemütlich im Aufenthaltsraum auf der Couch fern gesehen. Wer das Haus verlassen hat, ist spätestens um 23 Uhr wieder da, um die Ruhe im Haus zu gewährleisten.

Regeln für den Alltag

Zur Ruhe kommen in einemrauschmittelfreien RaumZur Ruhe kommen in einem

Wo Menschen unter einem Dach zusammen leben, unterstützen Regeln das tägliche Miteinander. Da im Krisenhaus Menschen in besonderen Situationen leben, sind die Regeln so gefasst, dass für jeden der bestmögliche Rahmen für einen sicheren, erfolgreichen und entlastenden Aufenthalt im Haus geschaffen wird.

Dazu gehört natürlich, dass jeder an den Einzel- und Gruppengesprächen teilnimmt und ab 23 Uhr im Haus ist. Darüber hinaus herrscht im Haus Gewaltfreiheit in Taten, Worten und Symbolen. Das bedeutet, dass niemand anderen gegenüber mit Gewalt entgegen tritt, ihn bedroht oder zum Beispiel eindeutige rechtsradikale Symbole oder Kleidung, die damit assoziiert wird, trägt. Sehr wichtig für einen sicheren Rahmen für alle ist es, dass im Haus keine Rauschmittel und keine Waffen geduldet werden und es deshalb Zimmerkontrollen gibt. Auch Drogen- und Alkoholtests werden zum Schutze aller regelmäßig durchgeführt. Das Rauchen ist im Raucherraum erlaubt.

Jeder hat, soweit er dazu in der Lage ist, nach Absprache für Sauberkeit und Ordnung selbst zu sorgen und ist verantwortlich dafür, dass er rechtzeitig zum Essen dabei ist, wenn er sich angemeldet hat, und dass die Lebensmittel ordnungsgemäß aufbewahrt werden. Bei Bedarf helfen wir natürlich gern.

Wer sich nicht an die Regeln hält, muss leider aus dem Krisenhaus ausziehen.

Das Team

Das Team im Krisenhaus ist für Sie da, um Sie in Ihrer akuten Krise zu entlasten. Erfahrene Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen hören Ihnen zu und begleiten Sie auf Ihrem Weg aus der Krise. Mit Ihnen zusammen finden sie eine Perspektive für die Zeit danach, damit es Ihnen möglichst dauerhaft besser geht. Zu jeder Tageszeit werden Sie da unterstützt, wo es nötig ist, so dass Sie Ihre Selbständigkeit bewahren können. Manchmal ist erst am Abend Ruhe genug, um länger zu sprechen, vielleicht auch etwas zu spielen oder einfach nur zu entspannen. Deshalb ist als Besonderheit auch spät am Abend jemand da, der ansprechbar ist und in der Nacht Wache hält, falls einmal etwas sein sollte.

Das Team trifft sich immer mittwochs, damit alle auf demselben Wissensstand sind. Regelmäßige Supervision, fachbezogene Intervision und Fortbildung sowie jährlich eine intensive Klausurtagung über zwei Tage sichern die Qualität der Beratung im Haus.

Leitfaden für den Umgang miteinander

Achtung und Würde

Sie behalten die Verantwortung für Ihr Leben und alles, was passiert

Zugewandtheit

Wir sind ausdrücklich für Sie da, um Sie zu entlasten

Zuhören

Wir wissen, dass Sie sich Ihre Not zuerst einmal von der Seele reden müssen, damit eine Erleichterung eintritt, und nur durch intensives Zuhören können wir verstehen

Begleiten und unterstützen

Die Lösung aus der Krise ist ein Prozess mit manchmal vielen Stufen, durch die wir Sie Schritt für Schritt begleiten, damit Sie sich sicher fühlen können

Miteinander

Wir entwickeln mit Ihnen gemeinsam Lösungen und neue Wege, die zu Ihnen und Ihrer Situation passen

Krisenhaus

Für Freunde und Angehörige

Sie kennen jemanden, der in einer akuten Krise steckt? Jemand, der vielleicht große Probleme zu Hause, mit den Eltern, in einer Beziehung, im Job, mit Geld, Drogen oder Gewalt hat? Sie machen sich Sorgen, dass derjenige möglicherweise sich und/oder Andere gefährdet? mehr

Hilfe nach § 67/68 SGBXII

Für Vermittelnde

Wenn jemand in einer akuten Krise steckt und direkt Hilfe vor allem mit Unterkunft braucht, ist das Krisenhaus genau die richtige Anlaufstelle. Wir können sofort aufnehmen, auch wenn die Finanzierung noch nicht geklärt ist, und rund um die Uhr die Krisenintervention einleiten. mehr